Nie wieder schlafen

1992, Spielfilm, 35mm, Farbe, 92 Minuten

Regie, Produktion. Drehbuch in Zusammenarbeit mit Karin Aström. Kamera Judith Kaufmann. Mit Lisa Kreuzer, Gaby Herz, Christiane Carstens, Ernst Stötzner, Leonard Lansink, Michael Altmann und Peter Lohmeyer. Verleih Filmwelt. Festivals: Münchner Filmfest. (Archiv Frankenberg)

Erzählt werden Episoden, Begegnungen und Zustände, die drei Freundinnen – Rita, Lilian und Roberta – während einer Berlinreise erleben. Zur Hochzeit einer Freundin auf einem Spreedampfer reisen sie an. Die unvermutete Begegnung Ritas mit einem verflossenen Geliebten erzwingt das vorzeitige Ende des feierlichen Ausflugs. Gestrandet im märkischen Sand beginnen sie eine absichtslose Odyssee, getragen von dem Wunsch, nicht mehr in den Alltag zurückzukehren, begleitet von den Symptomen einer langsamen Verwahrlosung. Euphorisches Herumstreunen, den Zufall herausfordernd. Das Glücksgefühl der Unbehaustheit. Dem Auto werden die Reifen geklaut, Hotels und Pensionen sind voll. Es gibt kein Zurück mehr. „Und was machen wir jetzt?“ – „Weitermachen!“ Sie lassen sich treiben in der Trümmerstadt, auf der Suche, eine weit ausholende Eroberung, sprunghaft und chaotisch. Dann machen sie Experimente. Sie beginnen mit der Verfolgung wildfremder Leute …

Nie wieder schlafen Arbeitsfoto

Kritiken


Ein Film zur Lage der Nation gedreht, subjektiv und bissig, lakonisch und ohne Distanz. (…) Lisa Kreuzer, die Wenders-Heldin aus dessen besseren Tagen, Gaby Herz und Christiane Carstens spielen dieses gegensätzliche Trio, das sich versteht und doch wieder nicht, mit spontaner Kraft und lakonischem Humor.
Szene Hamburg

„Nie wieder schlafen“ ist kluges, kompliziertes, anderes Kino, es verlangt eine Offenheit für seine ungewohnte, unbequeme Form.
Tip Berlin

Ein Plädoyer für den schweifenden Blick.
Der Spiegel



Ein frisches, melancholisches Porträt von Frauen mit viel Lust am Nervenzusammenbruch
Stern



Ein Streunerfilm mit Schnüffelnase, mit einer skurrilen Lust am Absurden.
Abendzeitung, München



Pia Frankenberg erzählt keine abgerundete Geschichte sondern Episoden. Und keine Erzählform könnte besser zum Inhalt passen, denn eben diese kleinen Begebenheiten, die den Frauen in Berlin widerfahren, sind der Kern des Ganzen.
Berliner Morgenpost



Eine leichte Etude über Freundschaft, Lebenslust und deutsche Befindlichkeit, mal tiefsinnig, mal witzig, aber niemals hysterisch oder sentimental
EPD-Film, Frankfurt

Pia Frankenberg wollte „einen schnellen Film machen, einen Zwischendurch-Film, wie das Leben in einem bestimmten Augenblick“. Das ist ihr hervorragend gelungen.
Journal Frankfurt



Einfühlsam und zugleich mit einer Leichtigkeit erzählerischen Könnens, die im deutschen Kino ihresgleichen sucht, hat die Hamburger Regisseurin Pia Frankenberg wieder einen schrecklich-schönen Reigen der Gefühle inszeniert.
Filmfaust, Frankfurt



Die Geschichte von drei Frauen ohne Ansicht, ohne Nachsicht, ohne Absicht strahlt eine seltsame Melancholie aus… Zugleich spiegelt der Film aber auch den inneren Zustand unseres Landes wider, wenn er mit einer Trauung auf der Spree, der ehemaligen Grenze, beginnt und weite Teile des ehemaligen Niemandslandes zwischen den beiden Deutschlands abbildet. Bemerkenswert erscheint, daß dieser Film Berliner Bilder entdeckt, die so bisher noch nicht gesehen wurden. Kein Bild ohne eine neue Einstellung, ohne eine neue Sicht.
Filmbewertungsstelle


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