Nicht nichts ohne Dich

1986, Spielfilm, 35mm schwarz/weiß, 88 Minuten

Drehbuch, Regie, Darstellerin, Produktion. Kamera Thomas Mauch. Mit Klaus Bueb, Alfred Edel.
 Ausstrahlungen im BR, den Programmen der ARD und 3Sat. Festivals: Biennale Venedig, Berlinale, Hof u.a., Max-Ophüls-Preis 1986 für den besten deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Verleih: Filmwelt, Weltvertrieb: Exportfilm Bischoff. (Archiv Frankenberg)

„Das Schicksal hat sie auf die falsche Seite gestellt,“ sagt ein Freund. „Sie ist nämlich reich und will arm sein. Damit sie endlich zu denen gehört, die arm sind, und gegen die sein kann, die reich sind.“ 
Sie selbst findet, ihr größtes Problem sei ihre Oberflächlichkeit. 
Martha lebt mit ihrem kleinen Sohn in Hamburg. Sie macht Filme. „Um näher am Puls der Gesellschaft zu sein“, ist sie mit portugiesischen Freunden zusammengezogen. Teresa hilft Ausländern bei Schwierigkeiten mit der Behörde. Martha indessen versucht eine Liebesgeschichte mit Alfred, der Dinge auch nicht so recht im Griff hat. Ende dreißig, studiert er noch immer Architektur, und bei Martha läßt er auch nicht locker. Zwischen den beiden spiegeln sich bundesdeutsche Realitäten, spontan eingefangen und mit sarkastischem Witz gelegentlich bis ins Absurde parodiert: Im bürokratischen Chaos der Ausländerbehörde werden in administrativer Fehlschaltung Schicksale vertauscht. Und um „High Tech“ mit „High Spirit“ zu vereinen, tritt ein privater Fernsehsender gegen die Spielverderber der Kulturkritik an. Zwischendrin wie ein Leitmotiv immer wieder Interview-Fragen an Martha als Frau, die filmt: Frauensolidarität? Weibliche Ästhetik? Filmtheorethische Begründungen?
 Nichts davon könnte weder Martha noch Pia Frankenberg den Schlaf rauben. Und weder die eine noch die andere liebt ein Ende mit Knalleffekt. So treffen sich Martha und Alfred schließlich in einem offenen Hapy-End. Er auf der Suche nach Halt, sie auf der Suche nach Problemen.

Kritiken


… Der Gewinner war eine Gewinnerin: Pia Frankenberg bekam für ihr Kino-Debüt „Nicht nichts ohne Dich“ den Ophüls-Preis. Der beste Film des Wettbewerbs war Sieger: eine herrliche Schwarzweiß-Komödie über die Stadt und die Neurotiker, die sie bewohnen. Wer lebt, improvisiert. Davon handelt der Film. Die Jury hatte es bemerkt. Als ob das Wünschen geholfen hätte …
Die Zeit

Pia Frankenbergs Spielfilmdebüt ist das ironische Selbstportrait einer deutschen Filmemacherin. Der Film erhielt im Januar den Max-Ophüls-Preis – zu Recht
 … Es ist keines der vielen, lieben, braven, angepassten, lauwarmen deutschen Kinodebüts, nicht die große Publikum-Ranschmeiße oder die stromlinienförmige Hollywood-Imitation, konsequent persönlich und strikt gegen die ausgeleierte narrative Filmtradition; die, sagt sie, langweilige sie nur. In seinen besten Momenten, wo er radikal die subjektiven Erfahrungen und Beobachtungen der Autorin umsetzt, dokumentiert der Film blubbernden Zeitgeist und steckt, so irgendwie, voller echt schwerwiegender Probleme. Mit List und Tücke ist Martha fündig geworden.
Der Tip

… Die meisten jungen Filmemacher leisten Widerstand durch Anpassung an Opas Kino. Pia Frankenberg aber steht weit abseits dieser Strömungen. Sie filmt, als stünde die Erfindung des Kinos unmittelbar bevor, und als werde die Erfinderin bestimmt Pia Frankenberg heißen. So stachelt sie unsere Neugier an …
Süddeutsche Zeitung



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